Karlshöhe 6A

58513 Lüdenscheid

02351 / 66 313 0

für Sie erreichbar

Mo. - Fr.: 9:00 - 13:00

Öffnungszeiten

20 Jahre „Die Arche Lüdenscheid. E.V,“

Wir haben niemanden zu bewerten und zu beurteilen!“ So beschreiben Ludwig Uebis und Christine Freyer eine wesentliche Grundlage ihrer ehrenamtlichen Arbeit: Beide gehören zum Team der Hospizbegleiter der Arche in Lüdenscheid. Am Samstag feierte der Verein, der im März 2006 gegründet wurde und sein Tätigkeitsfeld immer mehr ausgeweitet hat, seinen 20. Geburtstag rund um das Arche-Care-Haus in Gevelndorf. Angefangen hat alles mit der Trauer- und Sterbebegleitung, die bis heute wesentliche Säulen in der Arbeit des Vereins Arche Lüdenscheid sind. Jahr für Jahr nehmen Männer und Frauen an Kursen für ehrenamtliche Hospiz- und Trauerbegleitung teil, um Menschen in dieser schwierigen Lebensphase beizustehen. Christine Freyer und Ludwig Uebis sind zwei von ihnen. Beim Geburtstagsfest sprachen sie über ihr Ehrenamt. Als sie einen Artikel über die Kurse bei der Arche gelesen habe, sei ihr spontan klar gewesen: „Das mache ich“, erzählt Christine Freyer. Vor vier Jahren hat sie ihre Ausbildung abgeschlossen. Diese Arbeit entspricht ihrer Vorstellung eines Ehrenamtes voll und ganz: „Es geht um Wertschätzung. Diese Arbeit wird nicht bezahlt, aber sie ist unbezahlbar.“

Inzwischen hat sie rund 15 Menschen in der letzten Phase ihres Lebens begleitet. Manche hat sie nur ein- oder zweimal besucht, andere immer wieder. Ihre längste Begleitung dauerte bisher mehr als ein Jahr. Meist gehe es darum, einfach da zu sein und zuzuhören, sagt die Meinerzhagenerin: „Jeder hat seine eigene Geschichte. Sie erzählen von ganz alleine.“ Dabei sei es entscheidend, ein „neutraler“ Zuhörer zu sein. Die Hospizbegleiter verpflichten sich zur Vertraulichkeit: Alles darf ausgesprochen werden. So habe ihr ein Mann zum Beispiel anvertraut, dass er mehr als 20 Jahre ein Doppelleben geführt habe. Aber nicht immer möchten Menschen im Angesicht des eigenen Sterbens reden: „Man muss auch manchmal die Stille aushalten und halten können.“ Ganz wichtig für dieses Ehrenamt sind die Fähigkeit zu Empathie, aber auch die eigene emotionale Stabilität: „Mitgefühl muss man haben, Mitleid ist fehl am Platz.“

Dem stimmt Ludwig Uebis zu. Er hat „in seinem ersten Leben“ Theologie studiert, aber später einen anderen Weg eingeschlagen. 2004 absolvierte er dann eine Ausbildung zum Trauerbegleiter und gehörte zu den ersten Ehrenamtlichen im Trauercafé Momo, mit dem vor 20 Jahren in Altena alles angefangen hat. Seine eigene Trauererfahrung als Jugendlicher und junger Erwachsener war seine Motivation. „Ich habe meinen Vater 16 Jahre durch seine Krankheit begleitet.“ Er betont: „Trauerbegleitung ist Lebensbegleitung.“ Ziel sei es, trauernden Menschen zu helfen, trotz ihres Verlustes wieder in ein eigenes, verändertes Leben zu finden. Uebis ist dabei Menschen begegnet, die Tipps haben wollten, wie man nach fünf Tagen mit der Trauer fertig wird. Damit kann er nicht dienen: „Trauer ist sehr individuell.“ Seit einigen Jahren ist Uebis auch als Hospizbegleiter tätig.

Für ihn ist es wichtig, die Themen Sterben und Trauer aus der Tabuzone zu holen. Beides sind extreme Ausnahmesituationen, die es auszuhalten gilt, mit allen emotionalen Phasen, die dazu gehören. Der Tod sei überall gegenwärtig, zum Beispiel in jedem Krimi, „aber nur solange man nicht selbst betroffen ist.“ Uebis hat die unterschiedlichsten Situationen von Verzweiflung über Dankbarkeit bis zur Versöhnung erlebt. So habe eine Frau bei seinem ersten Besuch noch mit einer Wasserflasche nach ihm geworfen und beim zweiten um eine Umarmung gebeten. In einem anderen Fall hat er erlebt, wie ein Mann sich am Sterbebett mit seiner gesamten Familie versöhnt hat und schließlich alle gemeinsam dabei waren, als er für immer einschlief. Wesentlich sei, dass Menschen, die sterben, selbst entscheiden, was ihnen guttut.

 

(Quelle:Lüdenscheider Nachrichten /(c) Bettina Görlitzer)